Der „Vollhorst“: Sind Politiker die schlechteren Menschen?


Das Ansehen der Politiker ist schlecht. Dies hat seinen Grund, wie der Unternehmensberater und Kommunikationsexperte Hasso Mansfeld in einem Beitrag für The European schreibt: „Parteien kehren die negativsten Eigenschaften eines Menschen hervor.“ Mansfeld, der als Kandidat der FDP bei der Europawahl antrat, liefert nicht nur eine schonungslose persönliche Abrechnung, sondern auch ein paar Tipps, wie man Parteien und damit die Demokratie wieder etwas attraktiver machen könnte http://www.theeuropean.de/hasso-mansfeld/10448-wie-es-ist-sich-in-einer-partei-zu-engagieren.Zum wichtigsten politischen Handwerkszeug gehörten nicht etwa Fachkenntnisse, Bürgernähe und persönliche Integrität, sondern ganz andere Fertigkeiten: „Allianzen schmieden“, kungeln, Strippen ziehen, hinter den Kulissen agieren, nach oben buckeln und sich anpassen. Die „Anpassung an die herrschende Meinung sei das Mittel der Wahl“. Das Führungspersonal fördere tendenziell nur solche Kandidaten, die ihnen nicht zu gefährlich werden könnten. Die „herausragende Mittelmäßigkeit“ sei das Ideal des politischen Funktionärs.Das seiner Ansicht nach herrschende Klima in der Politik bringt der Autor wie folgt auf den Punkt: „Und mit wie vielen Menschen, mit denen ich mich privat nie abgeben würde, war ich in meiner politisch aktivsten Zeit versucht, auf ‚Gut Freund‘ zu machen.“ Parteitage mit festen Absprachen im Vorfeld und sozialistischen Ergebnissen sowie die Denunziation von offenen Wahlen als „Kampfabstimmungen“ seien die Folge. Mansteins Rezept: Mehr onlinegestützte Basisabstimmungen und Vorwahlen nach amerikanischem Modell, in denen die Parteibasis über Spitzenkandidaten abstimmt. So könne frischer Wind ins System geblasen werden.Vor allem brauche die innerparteiliche Demokratie mehr Wettbewerb, denn der Wettbewerb hinter vorgehaltener Hand, dieses „Intrigieren und Ausstechen“ sei höfischen Gesellschaften und Räuberbanden würdig.„Patentrezepte dafür, wie Politik wieder attraktiver gemacht werden kann, gibt es nicht“, sagt der Personalexperte Michael Zondler, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens centomo. recruitment & interim http://www.centomo.de mit Firmensitzen in London und Ludwigsburg. „Es ist ein schöner Traum, dass Politik nur basisorientiert stattfindet und sich Menschen aus allen Berufen und Schichten in einer Partei engagieren. Doch so läuft das nicht. Mancher Seiteneinsteiger aus der Wirtschaft merkt schnell, dass Politik auch ganz schön anstrengend und langweilig sein kann.“In seinem Roman „House of Cards“ – Vorbild der mit Kevin Spacey verfilmten Serie – schreibt der Autor Michael Dobbs: „Politik. Das Wort stammt aus dem Griechischen. ‚Poly‘ bedeutet ‚viele‘. Und ein Tic ist eine Nervenkrankheit“. Und so ist die Hauptfigur Francis Urquhart das Paradebeispiel des zynischen, karrieregeilen Machtpolitikers ohne feste Überzeugungen, der über Leichen geht. Wanka? – Kenn ich nicht!Doch solche Monster seien nicht die Regel in der Politik, meint Zondler. Es sei allerdings so, dass wichtige Themenfelder wie Innovation, Forschung und Entwicklung, Bildung, neue Technologien etc., die für die Zukunft des Landes wichtig seien, von den Parteien und den Politikern mit zu wenig Leidenschaft und Optimismus „verkauft“ würden.„Wer bitteschön kennt Frau Wanka, unsere Bundesministerin für Bildung und Forschung? Es ist schade, dass so spannende Themen von einer No-Name-Politikerin vertreten werden. Und Alexander Dobrindt, der ja auch Bundesminister für digitale Infrastruktur ist, macht auf diesem Gebiet wenig von sich reden – dafür umso mehr von seiner unsinnigen Maut-Kopfgeburt“, so Zondler. Wenn der schlanke Herr in den schrägen Anzügen und mit der Nerd-Brille mehr für den digitalen Wandel und weniger für die blau-weiße Klientel machen würde, dann hätte Deutschland schon gewonnen.Vielleicht ist also weniger Bosheit der Hauptcharakterzug von Politikern, sondern eher eine gewisse opportunistische Bräsigkeit. Der Kabarettist Bruno Jonas hat jüngst seine Typologie des modernen Politikers unter dem Titel „Der Vollhorst“ vorgelebt. Dieser müsse nicht unbedingt bayerischer Ministerpräsident sein und noch nicht einmal den Vornamen Horst tragen: „Er kann auch Gerhard oder Sigmar oder sogar Angela heißen. Hauptsache, er behauptet heute etwas, was er gestern verteufelt hat und morgen wieder vergessen haben wird.  Der Vollhorst ist immer auf der Seite des Wählers, weil er hauptsächlich ankommen will. Er hat keine Überzeugungen, dafür aber umso mehr Meinungen: für jeden Wähler eine.„Ein Leben in der Politik ist so sinnlos, als würde man all seine Wünsche an eine Schneeflocke heften. Etwas Wunderschönes. Und im nächsten Moment verschwunden“, schreibt Dobbs. Dass dies nicht ganz der Wahrheit entspreche und es eine ganze Reihe solider Volksvertreter gibt,  werde schon daran deutlich, dass Deutschland gut durch die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise gekommen sei, so der centomo-Chef. Der „Vollhorst“ ist also durchaus in der Lage, bei allen opportunistischen Verrenkungen und einer gewissen Karrieregeilheit einen ganz ordentlichen Job hinzulegen.



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