Medienskandal > Cyberskandal



Reuters berichtete heute, dass die Berliner Zeitung heute veröffentlichte, dass der Bundestag bereits seit drei Wochen über die Dimension des Angriffs auf sein Computernetz informiert war.

Hallo? Wo waren denn da all unsere wichtigen und teuren Qualitätsmedien in diesen drei Wochen? Bei denen fanden wir Schlagzeilen aller Art: einen FIFA-Blatter-Skandal, ein überteuertes G7-Treffen mit zehntausenden Polizisten und lächelnden Regierungschefs, einen BND-Skandal, ein TTIP-Problem, führende Medien machten mit Gesundheitsthemen auf, Kita-Streik, GdL, Wallraff tigerte durch den vermeintlichen Pflegedschungel, die Griechen brauchen wieder Geld und die Ukrainer Kanonen, der Spiegel kam mit einem Sex-Cover und Focus coverte „Die Eltern sind die Dummen“.

Keiner, keiner kam bis heute auf die Idee, dass die „Hacker kapern Bundestag“ nicht nur eine Schlagzeile wert gewesen wäre, sondern ein Cover.

Im Einzelnen: Am 8. Mai berichteten Bundestagsabgeordnete über Unregelmäßigkeiten und informierten das Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), bereits am 12. Mai informierte das Bundesamt für Verfassungsschutz über die Tragweite des Angriffs, schon am 21. Mai informierte das BSI den Bundestag mit den Worten "die Auswertungen hätten bislang ergeben, dass es dem Angreifer gelungen sei, Administrationsrechte für die gesamte Infrastruktur zu erhalten. Daher sei von einer breiten Kompromittierung der Netzinfrastruktur mit höchstmöglichen Rechten auszugehen. Schutzmaßnahmen griffen nur noch eingeschränkt", wie die Berliner Zeitung heute berichtet. Und seitdem ist keinem einzigen deutschen führenden Medium dieses Super-Gau der Kommunikation einen Leitartikel wert!

In der FAZ schreibt Eckart Lohse „Durch den engen Austausch zwischen Parlament und Regierung nicht nur bei der Gesetzgebung, sondern auch etwa wenn Untersuchungsausschüsse das Verhalten des Verteidigungsministers oder der Mitarbeiter des Kanzleramtes aufklären wollen, finden sich in den Speichern des Bundestages Tausende und Abertausende Seiten von Regierungsdokumenten. … Es lässt sich leicht ausmalen, was alles passieren und wer alles erpressbar werden kann, wenn die Daten in falsche Hände gelangten.“

Spiegel, Zeit, Welt, Wirtschaftswoche und all die anderen großen Medien haben Heerscharen von Rechercheuren und Datensammlern. Denen entgeht die Nachricht aus dem Bundestag vom 21. Mai nicht. Auf keinen Fall. Das ist völlig ausgeschlossen.

Dann gibt es aber nur zwei Interpretation dafür, warum die all diese Medien die Nachricht ignorierten, dass unser gewähltes oberstes Parlament mit hunderten Abgeordneten und tausenden Mitarbeitern seit Wochen abgehört und angezapft wurde: Entweder sie hielten diese Nachricht für irrelevant im Verhältnis zu all den anderen scheinbar wichtigeren Themen der letzten Wochen. Oder sie hielten sie für so brisant, für so gefährlich, dass sie die Nachricht lieber verstecken wollten, bevor sie Schaden in der Öffentlichkeit anrichten würde.

Beide Möglichkeiten wären eine Katastrophe. Beide Möglichkeiten wären untragbar.

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Wappen des Kommandos Strategische Aufklärung (Bundeswehr). Der Aufbau der Cybereinheit war 2006 von Verteidigungsminister Franz Josef Jung angeordnet worden.



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