Wettbewerb war gestern


Die Frage, welcher Mitarbeiter am besten für eine zu vergebende Führungsposition geeignet ist, wird häufig dadurch geklärt, dass man ein Klima des Wettbewerbs im Unternehmen erzeugt und darauf setzt, dass sich automatisch der Beste durchsetzt. Ein verheerender Denkfehler, der aufzeigt, dass wir den Wettbewerbsgedanken wie ein Naturgesetz verinnerlicht haben. In der Schule, ja bereits im Kindergarten, im Sportverein und gerade auch im Job, bestimmt der Wettbewerb unser Denken, Fühlen und Handeln. Ohne Konkurrenz – so glauben wir – gibt es keinen Anreiz, sich anzustrengen und seine
Potenziale weiterzuentwickeln. Wenn die produktive Kraft des Wettbewerbs so gepriesen wird, beruft man sich auf Darwin und die Evolution.Doch sind diejenigen, die im Wettbewerbsmodus agieren und die Unternehmen mit einer internen Wettbewerbskultur, tatsächlich auf lange Sicht die erfolgreicheren? Wie wir sehen werden, ist das genaue Gegenteil der Fall.Was wird in unserem Alltagsleben durch Konkurrenz, die Druck und Angst erzeugt, wirklich erreicht? Die Mitarbeiter werden durch diese Form der Dressur nur das ausformen, was bereits vorhanden, also als Anlage ausgebildet ist. Der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther spricht von Spezialisierung, wenn das, was bereits existiert, noch wirkungsvoller und effektiver genutzt wird.Auf diese Weise entsteht jedoch nichts Neues. Angst verhindert neues Denken und Kreativität, den Blick über den Tellerrand.Schauen wir auf die eindrucksvollen Innovationen und kreativen Ideen, die allesamt nicht im Umfeld eines Wettbewerbs gedeihen konnten, sondern aus einer intrinsischen Motivation in einem kooperativen Umfeld entstanden.Die Autoren Thomas Kottmann und Kurt Smit greifen in ihrem Buch „Führungsethik“ auf die neuesten Erkenntnisse aus Soziobiologie, Neurobiologie und Psychologie zurück. Das Modell der TransKooption® zeigt auf, wie der Wechsel von einer Wettbewerbs- in eine mehrfach produktivere Kooperationskultur im Unternehmen gelingen kann. In Zusammenarbeit mit der Unternehemerhochschule BiTS wurde ein Reziprozitätstest entwickelt, der eine Messung des Kooperationsverhaltens in Unternehmen ermöglicht,
woraus sich das Produktivitätsniveau schlüssig ableiten lässt. Dieser Wechsel bedeutet eine Kultur des Vertrauens, der Sicherheit und der Transparenz zu erzeugen. Es geht also vorrangig darum, die Kooperationsbereitschaft und -fähigkeit jedes Einzelnen zu erhöhen, Wissen und Erfahrungen nicht nur für die eigene Karriere, die man anstrebt oder absichern will, zu nutzen, sondern sein Umfeld daran partizipieren zu lassen.Bei der Implementierung dieses Führenmodells wird ein Paradigmenwechsel im Unternehmen angestoßen, da das Schulsystem und auch das betriebliche Anreizsystem, die Lust, Wissen und Erfahrung vertrauensvoll und großzügig zu teilen, in keiner Weise fördern.Der amerikanische Organisationspsychologe Adam Grant untersuchte den beruflichen Erfolg von Managern, Vertriebsmitarbeitern und Studenten in Dutzenden von Studien in Abhängigkeit vom Grad ihrer Hilfs- und Kooperationsbereitschaft. Das neben Talent, Motivation und Glück auch der persönliche Umgang die Karriere befördern kann, ist sicher keine neue, aufregende Erkenntnis.

Neu ist Grant‘s zuspitzende Fokussierung, er sagt: Im geschäftlichen Rahmen müssen wir immer entscheiden, wie wir uns anderen gegenüber verhalten: Nehmen oder Geben.
Sind wir nur auf die eigenen Ziele bedacht oder tragen wir zum Gewinn anderer bei? Er räumt auf mit dem wohl weit verbreiteten Vorurteil, dass man vorrangig nur mit seiner Ellbogenmentalität vorankomme. Sein Bestseller „Give and Take“ korrigiert die gängige Auffassung, dass Geber schwach und Nehmer stark sind. Was Grant herausgefunden hat, könnte unsere Vorstellung von Erfolg und Karriere auf den Kopf stellen.Grant hat sich auf die Suche gemacht, bestimmte Persönlichkeits- und Verhaltensmuster von erfolgreichen Managern und Firmenlenkern zu identifizieren. Er unterscheidet in Bezug auf die Kooperationsbereitschaft von Menschen und die Auswirkungen auf ihren persönlichen Karriereerfolg drei grundsätzlich verschiedene Reziprozitätstypen: Geber, Nehmer und Tauscher.Geber ziehen es vor, mehr zu geben als sie bekommen und gehen kooperativ in Vorleistung. Sie teilen ihr Wissen, ihre Energie und Verbindungen mit anderen und sind gerade deshalb erfolgreich.
Erfolgreicher als die Nehmer, die mehr bekommen als sie geben wollen und auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Auf der Karriereleiter stehen die Geber noch vor den Tauschern, die ein ausgewogenes Gleichgewicht von Geben und Nehmen anstreben. In Zusammenarbeit mit der Unternehmerhochschule BiTS hat Kottmann & Partner einen Reziprozitätstest entwickelt, der eine Messung des Kooperationsverhaltens in Unternehmen ermöglicht, woraus sich das Produktivitätsniveau schlüssig ableiten lässt.Vor diesem Hintergrund wird die Hauptaufgabe jeder Führungskraft darin gesehen, die Kooperation zwischen allen Beteiligten zu etablieren und aufrechtzuerhalten. Aufgabe sollte sein, die Rahmenbedingungen für eine Geber-Kultur zu legen, die aufzeigt, dass persönlicher Erfolg, motivierte, zufriedene und gesunde Mitarbeiter auf der einen Seite und Unternehmenserfolg auf der anderen Seite keine Gegensätze darstellen, sondern sich gegenseitig bedingen.Diese Transformation von einer Wettbewerbs- in eine Kooperationskultur muss von den
Führungskräften vorgelebt werden, die sich nicht nur als Macher, sondern als Ermöglicher betrachten, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einladen, ermutigen und inspirieren, ihre Potenziale zu entfalten und sich für das einzusetzen, was alle zusammen erreichen wollen.



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