Ist Amazon ein Bösewicht?



Anfang vergangenen Jahres glossierte ich in einem Editorial unter dem Titel "Tägliche Täuschung" den Fernseh- und Innovationsmann Ranga Yogeshwar, als der sich über Amazon negativ ausließ.
"Auch Yogeshwar ist nicht vor groben Irrtümern gefeit. „Konzerne, die 60 Milliarden Euro Umsatz machen und darauf keine Steuern zahlen – die sind für mich asozial.“ kommentierte er unter dem Beifall der Studiogäste. Klingt stark, der Satz. Klingt nach David gegen Goliath. Klingt nach Beifall. Ist aber falsch! Und das gleich mehrfach:

60 Milliarden Euro Umsatz macht Amazon nämlich weltweit. Bei Jauch ging es aber um Deutschland. Und „darauf“, also auf den Umsatz, zahlt Amazon sehr wohl Umsatzsteuer. Die ist weltweit ganz verschieden. Die ist nämlich Ländersache. Unternehmen in Japan zahlen nur 5 Prozent, in Deutschland 19 Prozent, und in Ungarn sogar 27 Prozent. Und natürlich zahlt Amazon überall die vor Ort geltende Umsatzsteuer. Amazon zahlt auch Lohnsteuern und Sozialabgaben. Allein im Amazon-Zentrum Leipzig sind im Jahr 2012 von 94 Millionen Euro Umsatz rund drei Viertel Personalkosten, nämlich 71 Millionen.

In dieser Zahl verstecken sich rund 25 Millionen Euro Lohnsteuern und Sozialabgaben. Und auch die werden gezahlt. In Deutschland nach deutschem Recht. Im Amerika nach US-Recht. In anderen Ländern nach dortigem Recht. In Deutschland zahlt Amazon In Deutschland zahlt Amazon wie jedes andere Unternehmen auch jede Menge anderer Steuern und Abgaben: KfZ-Steuer, Versicherungssteuer, Grundsteuer, GEZ, Kammerbeiträge usw. usf. Selbst ein kleines Unternehmen mit zehn Mitarbeitern und einer Million Umsatz hat 167.500 Euro Steuern und Abgaben an den Staat abgeführt. Je Mitarbeiter sind das 16.700 Euro im Jahr oder 1.391 Euro im Monat.

Gewinnsteuer fällt darüber hinaus nur an, wenn Gewinn anfällt. Das ist auch bei Amazon so. Dort sind – wie mehrfach in der Sendung betont wurde – kaum Gewinne angefallen, weil ununterbrochen investiert wurde. Nur deshalb kann Jeff Bezos, der Amazon erst 1993 gründete, heute weltweit über 100.000 Mitarbeiter beschäftigen. Und wo keine Gewinne sind, kann auch keine Gewinnsteuer anfallen. Eigentlich hätte Yogeshwar all das wissen können. Doch er wollte sich täuschen. Und er hat damit andere getäuscht."
https://www.yumpu.com/de/document/view/27104785/pt-magazin-01-2014

Ich finde es wunderbar, dass Prof. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein, kürzlich inhaltsnah beim Deutschen Arbeitgeberverband zum Thema bloggte:

20 Jahre Amazon: Vorbild oder Bösewicht?

Amazon wird tatsächlich immer wieder viel vorgeworfen. Heinemann nimmt ein paar der "Argumente" auseinander. Für ihn sind einige der Diskussionen "Verweigerung und üble Nachrede" vor allem im vorweihnachtlichen "Dauerbrennerstreik bei Amazon" werden mittlerweile die unterschiedlichsten Streikgerüchte eingestreut. Von schlechten Arbeitsbedingungen ist die Rede, Missbrauch von arbeitsfördernden Maßnahmen der Agentur für Arbeit, Dumpinglöhnen und – immer wieder gerne aufgetischt – von "Corporate-Governance-Verstößen" Steuertricksereien.

"Steuertricksereien?
Auch Karstadt hat in all den nahezu 15 Jahren, in denen Amazon nunmehr auf dem deutschen Markt tätig ist, kaum bis keine Steuern bezahlt. Der Essener Warenhaus-Konzern schreibt seit Gründung des Online-Handels Verluste und schiebt mittlerweile gigantische Verlustvorträge vor sich her, die wahrscheinlich auch mit ein Übernahmegrund von Benko waren. Wer Verluste schreibt, der hat auch nichts zu versteuern, zahlt also auch keine Steuern. Gleiches gilt für Amazon ..."
...
"Corporate-Governance-Verstöße?
Amazon untersteht als börsennotierte Aktiengesellschaft der amerikanischen Börsenaufsicht und hätte sich mit dieser – bei nachweisbaren Corporate-Governance-Verstößen ­ – schon längst angelegt. Während Amazon sich dieser Aufsicht aussetzt, ist kein deutscher Handelskonzern – bis auf die, allerdings mehrheitlich in Familienbesitz befindliche, Metro AG – börsennotiert und unter echtem Rechtfertigungsdruck gegenüber Analysten. ..."
...
"Dumpinglöhne?
Amazon beschäftigt den größten Teil seiner Arbeitnehmer in Zentral- und Regionallägern und bezahlt diese nachweislich deutlich über Logistiktarif. Die Splittung in Logistik- und Einzelhandelstarif ist in jedem Handelskonzern gängig und lässt sich mit den unterschiedlichen Tätigkeitsarten begründen. Für vergleichbare Tätigkeiten werden in allen deutschen Handelskonzernen Logistiktarife gezahlt, nicht selten sogar unter dem Gehaltsniveau von Amazon. Wieso sich Verdi bei diesem Thema gerade Amazon rausgegriffen hat und bestreikt, steht in den Sternen. Vielleicht handelt es sich ja auch um einen zwischen deutschen Handelskonzernen und deutschen Gewerkschaften geschmiedeten Komplott gegen den stressfördernden US-Online-Händler? ..."
...
"Missbrauch von arbeitsfördernden Maßnahmen?
Während Karstadt in den letzten 15 Jahren in Deutschland mehr als 20.000 Arbeitsplätze abgebaut hat, wurden bei Amazon Deutschland mehr 20.000 Arbeitsplätze aufgebaut, davon mehr als 10.000 für Festangestellte. Hätte Amazon dies nicht getan, würde der Staat mit Arbeitslosengeld zusätzlich belastet. Die möglichen Steuereinnahmen wären nur ein Bruchteil dieser Summe ..."
...

So ist es.
http://www.deutscherarbeitgeberverband.de/aktuelles/2015_07_20_dav_aktuelles_amazon.html





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