Zu Weihnachten weit weg von Zuhause…



Zu Weihnachten weit weg von Zuhause…

Abbas und Nikolas zwei junge Männer weit weg von Zuhause…

Abbas verheiratet, zwei Kinder lebt mit seiner Familie in einem Krisengebiet, Überfälle, Exekutionen, der Tot ist allgegenwärtig. Abbas liebt sein Land, dennoch möchte er der direkten Beteiligung am Kampfgeschehen entgehen. Die Gefahr, getötet oder zwangsrekrutiert zu werden bewertet er als sehr hoch. Als er wieder im Internet Bilder von flüchtenden Menschen aus seiner Heimat ansieht, beschließt er sein Heimatland zu verlassen. Ablah, seine Frau schickt er mit den zwei Kindern und der alten Großmutter in das Nachbarland, die dort Asyl beantragen sollen. Er selbst wendet sich mit den nur nötigsten Habseligkeiten an eine Schlepperbande, um mit ihrer Hilfe sein Heimatland zu verlassen.

Nikolas verheiratet, zwei Kinder, lebt in einer kleinen Neubausiedlung am Rand der Stadt. Nikolas ist Zeitsoldat und seine Frau Anna-Maria arbeitet beim Supermarkt an der Kasse. Ihr gemeinsames Einkommen erlaubt der jungen Familie ein Eigenheim in dieser Neubausiedlung. Das Alltagsleben der Familie wird überschattet mit dem Einsatzbefehl von Nikolas in ein Krisengebiet weit weg von daheim. Nikolas wird nunmehr zusammen mit seiner Einheit für den Einsatz im Krisengebiet vorbereitet. Der Einsatz im Krisengebiet über die Weihnachtszeit macht der Familie schwer zu schaffen. Aber Nikolas hat ein Gelöbnis abgelegt seinem Land treu zu dienen und das Recht und die Freiheit seines Volkes tapfer zu verteidigen.

Abbas verlässt in einem heruntergekommenen Boot zusammengepfercht mit weiteren Landsleuten sein Heimatland. Die Überfahrt über das offene Meer wird zur Tortur. Nachdem er nach einigen Stunden kein Land mehr sieht und das Meer rauer wird, bekommt Abbas Todesängste. Ständig dringt Wasser in das Boot ein und Abbas konnte sich keine Schwimm-weste leisten. Die selbstverständlichsten Dinge des täglichen Lebens wie essen, trinken und sogar die Notdurft werden zur Nebensache. Übermüdung und Erschöpfung setzen Abbas zu.

Auch Nikolas muss jetzt sein Heimatland verlassen. Das taktische Luftwaffengeschwader hat sich wochenlang auf die Einsätze vorbereitet und rückt nun ausgerüstet mit modernster Technik und Waffensystemen aus. Nikolas fliegt Aufklärungseinsätze über das Krisengebiet, das Abbas zuvor verlassen hat. Schon auf dem Flug in das Krisengebiet leidet Nikolas unter einem enormen physischen Druck. Trotz wochenlanger Vorbereitung auf diesen Einsatz bekommt Nikolas plötzlich Angst, Angst abgeschossen und exekutiert zu werden. Auch die Angst seine geliebte Frau und Kinder nicht mehr zu sehen raubt ihm den Schlaf.

Abbas ausgezerrt und erschöpft sieht aus dem Boot mit seinen zusammengepferchten Landsleuten das erste Land nach Tagen der Angst, überschwängliche Freude macht sich auf dem Boot breit. Starker Wellengang und Riffe erschweren das Anlegen am Küstenstreifen. Plötzlich, ein starker Ruck, das Boot sinkt. Das Boot ist auf ein Riff aufgelaufen. Rasch dringt das Wasser in das Boot ein und die ersten springen über Bord. Abbas zaudert, er kann nicht schwimmen und hat keine Schwimmweste. Und obwohl das rettende Ufer nur ca. 100 m entfernt ist, steht Abbas Todesängste aus. Ein scheinbar wohlhabender etwas kräftiger Mann schaut Abbas an und sieht seine missliche Lage. Er, der eine Schwimmweste besitzt, schwimmt zu Abbas und geleitet ihn zum rettenden Ufer. Dort angekommen, ziehen sich die Neuankömmlinge trockene Kleidung aus ihren wasserdichten Taschen an.

Nikolas fliegt wie aufgetragen seine Aufklärungsflüge, Rauchwolken unter ihm markieren das Krisengebiet. Nikolas ist im Luftraum über dem Krisengebiet nicht allein, weitere Flugzeuge der Bündnispartner und auch Flugzeuge außerhalb dieses Bündnisses fliegen über und unter ihm. Völlig übermüdet muss er doch hellwach sein. Er trägt die Verantwortung für seine Familie, für das anvertraute Fluggerät und nicht zuletzt für sich selbst und seinen Kameraden im Cockpit seines Kampffliegers. Die Angst abgeschossen zu werden ist allgegenwärtig, doch muss er all seinen Mut zusammen nehmen, um seinen Auftrag zu erfüllen. Völlig erschöpft landet Nikolas im Fliegerhorst des Bündnispartners.

Die unglückliche Landung von Abbas und seinen Landsleuten am Küstenstreifen bleibt nicht unentdeckt. Schnell eilen helfende Ansässige herbei, um den geschwächten Menschen zu helfen. In sog. Auffanglagern werden ihre Identität und ihre Herkunft geprüft. Sie werden mit allem Lebensnotwendigen versorgt und dürfen sich in bereit gestellten Notunterkünften von den Strapazen der Flucht ausruhen. Lange Menschenschlangen bilden sich an allen Zugangsstellen und Abbas macht sich Gedanken über seine Frau und seine Kinder. Sind sie unversehrt in das Auffanglager im Nachbarland angekommen? Abbas weiß es nicht! Weihnachten steht vor der Tür und obwohl Abbas aus einem anderen Kulturkreis kommt, hätte er gerne diese Tage mit seiner Frau und den Kindern verbracht. Demonstranten vor den Auffanglagern zeigen Abbas, dass er scheinbar nicht von allen Menschen in diesem Land erwünscht ist. Ein sogenannter Lagerkoller macht sich breit. Jedes ungenau formulierte Wort oder Gestik zündet die aufgestauten Aggressionen. Streit liegt in der Luft, Auseinander-setzungen werden unausweichlich.

Nikolas hat jetzt die Gewissheit er kommt hier nicht raus, er muss Weihnachten mit seinen Kameraden und nicht mit seiner Familie verbringen. Moderne Technik verhilft Nikolas, einige Male mit Anna-Maria seiner Frau und seinen Kindern per Bildtelefon zu kommunizieren. Leichter, nein leichter wird es dadurch nicht. Immer wenn Nikolas sein Gesicht in das Kissen auf seinem Feldbett drückt, vergießt er Tränen. Aber das macht er so, dass es kein anderer sieht. Auch hier gibt es so etwas wie Lagerkoller unter den Kameraden und die Führungskräfte haben alle Not, die Soldaten davon abzulenken.

Weihnachten ist da und Abbas und Nikolas sind weit weg von Zuhause…

Diese Weihnachtsgeschichte ist frei erfunden, sie dient lediglich dazu, unterschiedliche Betrachtungsweisen darzustellen.
Verfasser: Karl-Heinz Rosenkranz aus Dieburg



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