"Hundert Willen geben nur ein Chaos." Tatsächlich?

Bei Irene Wahle gefunden: Gedanke der Woche: "Wenn mehrere Menschen etwas gemeinsam verrichten wollen, brauchen sie einen Willen. Hundert Willen geben nur ein Chaos. Mehrere Willen unter einen setzen, erzeugt Harmonie. Darauf beruht die Harmonie des Organischen."
August Pauly (1850 - 1914), deutscher Naturwissenschaftler und Aphoristiker, Quelle: Pauly »Aphorismen«, München und Leipzig: Georg Müller, 1905

Aus meiner Sicht stimmt das Bonmot einfach nicht. Jedenfalls nicht in dieser Allgemeingültigkeit, in der es gemeint ist. Hundert Willen ergeben nur dann ein Chaos, wenn sie versehentlich am selbst Strick in unterschiedliche Richtung ziehen wie die Hühner der Witwe Bolte im ersten Streich von Max und Moritz. Hundert Willen können auch hundert verschiedene Erfindungen ergeben, hundert Fabriken aufbauen, hundert verschiedene wissenschaftliche Probleme lösen, hundert verschiedene Berge besteigen.

Es ist genau anders herum: Nur dort, wo den hunderttausend Willen engagierter, aufgeklärter, wissbegieriger, handlungsbereiter Menschen Raum gegeben wird, kann sich eine freie Gesellschaft von Freien entfalten, mit all den wirtschaftlichen und politischen Vorteilen für Millionen von Menschen.

Beispiel China: Solange sich dort alles dem Willen Maos unterordnete, wurde Harmonie vorgetäuscht und in Wirklichkeit Disharmonie höchsten Ausmaßes mit Millionen Toten bewirkt. Erst als dieser Bann gebrochen war, begann Chinas Reise in die Gegenwart und Zukunft.

  • Irene Wahle
    Irene Wahle P.S. Natürlich stimme ich Ihnen zu: da wo Despoten in Diktaturen herrschen, kann niemals Harmonie entstehen. Es geht mir um den freien Willen, aus dem Menschen heraus entscheiden. Und sich ganz natürlicherweise unterordnen. Weil Sie spüren, dass dort ein Mensch ist, der Charisma besitzt. Das kann auch in einer Diktatur sein. Aber da wird der Diktator letztlich nur sein eigenes Wohl im Auge haben. Wenn das geschieht, dann trägt dieses System den Keim der Zerstörung in sich, wie alle Diktaturen bewiesen haben. Das Leben strebt in jedem Augenblick dazu in Ausgleich zu sein. Und diktatorisches Verhalten ist über kurz oder lang disharmonisch. So trägt wohl auch dieses Zitat, wie alles in der Welt, Licht und Schatten in sich. Das Licht der personalen, charismatischen Führungskraft und die Dunkelheit des Diktatoren. Ich hatte, als ich dieses Zitat schrieb, eher den lichtvollen Gedanken mit der freiwilligen Unterordnung der Menschen unter eine "Führungsriege", wie beispielsweise die "Oskar - Patzelt- Stiftung" im Auge. Da fällt mir noch etwas ein: vielleicht ist hier der Willen weniger einer Riege, sondern einer höheren Aufgabe, einer Vision verpfllichtet. Also weniger dem Ego eines einzelnen Menschen, denn einer höheren Aufgabe, die dem Gemeinwohl dient und der deshalb Wachstum endlos beschert ist smiley Was zu beweisen ist. Danke für diesen Austausch, lieber Doktor.
    22.09.2016


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